Ines Strehlau am 07.08.2015

Nachtschicht bei der Polizei Rellingen/Halstenbek

Nachtschicht beider Polizei Rellinge/Halstenbek
Nachtschicht beider Polizei Rellinge/Halstenbek

Als Mitglied im Innen- und Rechtsausschuss wollte ich aus erster Hand einen Eindruck von der Polizeiarbeit bekommen. Die Situation der Polizei mit Überstunden, Zusammenlegung von Polizeistationen, Personalabbau und Besoldungsfragen sind dort immer wieder Thema. Wir entscheiden im Landtag über viele dieser Bereiche. Da ist es wichtig, direkte Infos aus dem Polizeialltag zu bekommen, um eine gute Entscheidungsbasis zu haben.

Auf die Frage, ob ich eine Nachtschicht auf dem Polizeirevier Rellingen mitmachen könnte, kam sofort ein „Ja, gerne. Wir freuen uns immer, wenn wir Gästen unsere Arbeit zeigen können.“ Gesagt – getan. Nach dem Finden eines Termins ging es los. Eine Schicht von Freitag 18 Uhr bis Samstag 4 Uhr stand an.

Am Freitag zu Beginn Gespräch mit dem Leiter des Polizeireviers. Informationen über die Polizeidirektion und das Revier, über Personalstärke und Schichtplanung. Ich lerne, dass es sowohl den festen als auch den flexiblen Schichtdienst gibt. Ein festes Kollegenteam oder mehr individuelle Zeitplanung – es gibt Vor- und Nachteile, die unterschiedlich bewertet werden. Man kann es nicht jedem Recht machen – fast wie in der  Politik.

Ich werde zur Verschwiegenheit verpflichtet (heißt, es darf nicht nachvollziehbar sein, mit wem ich in der Nacht zusammen treffe), ich verzichte auf jegliche Schadenersatzansprüche, falls mir etwas passiert und ich bekomme eine Schutzweste, die ich bei jedem Einsatz tragen soll (wie die Polizisten auch). Ein unförmiges Teil, aber sie schützt.

Danach Begrüßung im Wachraum. Gerade werden die Personalien eines Mannes aufgenommen, der bei einer Tankstelle südlich der Elbe die Zeche geprellt haben soll. Diesel tanken ohne zu bezahlen geht natürlich gar nicht. Es stellt sich heraus, dass der Mann einen Benziner fährt und als Täter nicht in Frage kommen kann. Merke: Auch Videoüberwachung ist nicht fehlerfrei.

Schichtwechsel zur Nachtschicht. Sofort kommt ein Einsatz. Ein älterer Herr hat gegen ein vorbeifahrendes Auto getreten als er hinter einem Bus die Straße überqueren wollte und das Auto nicht anhielt. Es ist kein Schaden am Auto entstanden. Deshalb werden zwar die Personalien aufgenommen, aber es bleibt bei einer strengen Ermahnung des Mannes. Etwas mehr Gelassenheit im Leben würde einigen Menschen durchaus gut tun und das Zusammenleben konfliktärmer machen.

Während der Fahrt im Streifenwagen erfahre ich, dass auch die jungen Polizisten, die ich heute begleiten darf,  viele Überstunden machen. Alleine 100 Stunden sind durch die Sondereinsätze angefallen, z.B. beim G7-Außenministertreffen in Lübeck oder beim G7- Gipfel in Elmau. Es wird auch der Wunsch geäußert, dass Polizisten im Hamburger Rand wegen der höheren Lebenshaltungskosten besser besoldet werden sollen als die Kollegen in anderen Landesteilen. Da kann ich nicht viel Hoffnung machen. Nach der letzten Föderalismusreform gibt es keine einheitliche Besoldung mehr in Deutschland, weil die Länder für ihre eigenen Beamten zuständig sind. Keine gute Entwicklung, weil dadurch reiche Länder und der Bund  mehr zahlen können als arme, wie Schleswig-Holstein.

Wir fahren zurück auf die Wache und essen eine Kleinigkeit.

Danach ist Amtshilfe gefordert. In Niedersachsen ist ein Auto aus dem Revierbezirk Rellingen zu schnell gefahren. Auf dem Radarbild ist niemand genau zu erkennen. Deshalb soll vor Ort geklärt werden, wer der Fahrer war. Wir treffen niemanden an.

Danach Streifenfahrt: Eine Person, die auf dem Fahrradlenker eines Freundes sitzt, wird angehalten und freundlich auf die Gefahren dieser Beförderungsart hingewiesen.

Über Funk kommt die Meldung, dass eine Alarmanlage in einem Betrieb angesprungen ist. Verdacht auf Einbruchdiebstahl. Sofort wird das Blaulicht eingeschaltet, um schnellstmöglich vor Ort zu sein. Ein anderer Streifenwagen ist schon dort. Die Polizisten teilen sich auf, um das Gebäude von allen Seiten zu kontrollieren. Fehlalarm – wie auch einige Tage vorher. Dieser Einsatz ist für den Betrieb kostenpflichtig. Alarmanlagen, die Fehlalarme produzieren, binden die Polizeibeamten unnötig. Eine richtige Regelung, wie ich finde.

Fortsetzung der Streifenfahrt, mit diversen kleinen Vorkommnissen: Ein Rollerfahrer eines Pizzaservice ist ohne Papiere und mit einer großen, zu wackeligen Transportbox unterwegs.  Ein Auto steht im Weg. Mehrere Beschwerden über Ruhestörungen folgen. Das Licht an einem Auto ist defekt. Ein Autofahrer fährt ungewöhnlich langsam über die Straße. Ein Fahrradfahrer fährt ohne Licht. In allen Fällen werden die Personen angesprochen, bei Bedarf ermahnt und die Papiere überprüft und ein Atemalkoholtest gemacht.

Ein Hotel meldet den Diebstahl eines Portemonnaies nachdem zwei Personen sie in ein Gespräch verwickelt hatten. Im Rahmen der Fahndung nach den Tätern fahren wir die Umgebung ab – nichts. Danach weitere Aufnahme der Daten im Hotel für die Strafanzeige.

Über Funk kommt zweimal die Meldung, dass Kühe auf der Fahrbahn sind. Immer wenn wir da sind, haben sich die Kühe schon in die Büsche geschlagen.

Danach wird es ruhig – Ende um 4 Uhr.

Fazit: Es war eine interessante Erfahrung. Polizeibeamte werden in ihrem Beruf mit vielen Herausforderungen konfrontiert und müssen in der Lage sein sich unterschiedlichsten Situationen anzupassen. Die Polizeibeamten schafften den Spagat, bestimmt und gleichzeitig freundlich auf die kontrollierten Personen zuzugehen. Und zumindest in der Nacht wird auch der Polizei mit Respekt begegnet.

Um den Job gut machen zu können, braucht es eine gute Ausstattung und eine gute Ausbildung. Die Sachausstattung scheint, nach Aussagen der Polizisten, in Ordnung zu sein. Bei der Personalausstattung kommt es zum einen auf die ausreichende Anzahl an Polizisten an. Das bleibt eine Herausforderung für die Zukunft, genau wie bei den Lehrkräften. Wir finden es richtig, dass, obwohl ab 2018 Stellen bei der Polizei eingespart werden müssen, die Stellen im Bereich Einsatz und Ermittlung, also in der Polizeiarbeit in den Revieren, unbedingt erhalten bleiben.

Zum anderen geht es um gute Arbeitsbedingungen und auch Fortbildungen, damit die Motivation erhalten wird und der Krankenstand gering bleibt. Einige Verbesserungen wird es mit der Modernisierung des Beamtenrechts geben, das nach der Sommerpause im Landtag beraten wird.

Der Umzug des Reviers im Jahre 1996 von Halstenbek nach Rellingen hat meinem Eindruck nach die Präsenz der Polizei in Halstenbek nicht negativ beeinflusst. Die Dienststelle in Rellingen ist rund um die Uhr besetzt und wegen der geringen Entfernung zwischen den beiden Gemeinden kann die Hilfsfrist von maximal 10 Minuten auf jeden Fall eingehalten werden. Außerdem sind auch die Kolleginnen und Kollegen der Nachbarreviere schnell da, wenn es notwendig ist.

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Kommentare

Ein solcher Erfahrungsbericht aus dem Alltag einer Krankenschwester im Nachtdienst wäre sicherlich auch ganz interessant. Henner Grutkamp (Krankenpfleger für Anästhesieologie und Intensivmedizin)

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