

Morgen beginnt die Sommerreise in die Revolution. Heute wurde ich zum Streit über die Ausstellung des U-Boot-Ehrenmals in Laboe interviewt. Dort war zu besichtigen, wie Heldengedenken vor die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit geschoben wurde.

Und das ist auch meine Frage: Ist die Geschichte, wie sie erzählt wird, nur eine Geschichte? Oder sind es viele Geschichten und gibt es einen Streit um und über Deutungen? Jedenfalls, wenn man sich Laboe anschaut, ist falsch, was man gemein hin sagt: Dass die Geschichte stets von Siegern geschrieben wird.
Den Zweiten Weltkrieg hat Deutschland gründlich verloren. Und die Opfer des Krieges, sie sind die Opfer der von den Deutschen getragenen Naziregierung, keine Heldentoten von Seeschlachten, die aus dem Nichts heraus entstanden. Aber die Verlierer haben das umgedeutet. Vielleicht ist das stärkste Motiv zur Geschichtsdeutung gerade das Motiv der Verlierer. Den Siegern kann es relativ egal sein, wie sie beurteilt werden.

Was heißt das für die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1840-1848, die im Mittelpunkt meiner Reise steht? Jener Zeit, in der die Landesflagge erfunden wurde, die Fürstentümer Schleswig und Holstein sich verbanden, sich gegen die Monarchie empörten und schließlich gegen Dänemark, denn zu Dänemark gehörten damals Schleswig wie Holstein und die demokratischen Forderungen richteten sich so gegen den dänischen König, kämpften?
Nun, auch die Revolution wurde verloren. Am Ende musste sie ein Bündnis mit anderen Monarchien eingehen, vor allen Dingen Preußen. Und Preußen ließ Schleswig-Holstein nach ein paar siegreichen Schlachten gegen Dänemark links liegen. Was als demokratischer Aufbruch begann, endete in militärischer Ohnmacht. Aus jener Ohnmacht heraus wurde dann die Geschichte geschrieben. Und da sie von Verlierern geschrieben wurde, musst sie sich in die übermächtige Tradition der deutschen Geschichtsschreibung einfügen. Und die Geschichte des Freiheitsfortschritts ging verschütt. Mal sehen, welche Spuren sie hinterlassen hat.