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Im Grenzland zu Dänemark bestimmt die Kürzung der Landesregierung für die dänischen Schulen die politische Agenda. Die Mitglieder der Minderheit erleben das als direkten Angriff auf die Gleichstellung. Und das ist es auch. Vor fünf Jahren, als die rot-grüne Regierung sich durch den SSW tolerieren lassen wollte, sprachen einige CDU und FDP dem SSW das volle politische Mandat ab. Heute sprechen sie den Kindern der Minderheit die volle Gleichstellung ab. Das treibt mich um.
Und ich denke, das liegt am fehlenden historischen Verständnis für die Geschichte Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Nur wenn man nicht weiß, wie viel Leid diese Geschichte gebracht hat und welche nationalen Kämpfe hier gefochten wurden, kann man so bedenkenlos mit ihr umgehen. Erstaunlich schon, dass ein Grüner Politiker der CDU Geschichtsvergessenheit und mangelndes Traditionsbewusstsein vorhält. Aber so ist es faktisch.
Andererseits birgt mein Ansatz auch ein hohes Risiko. Ich schrieb ja schon, dass Lornsen völkisch vereinnahmt wurde und überhaupt die ganze Erhebung in Schleswig-Holstein als anti-dänisch verstanden wird. Heute treffe ich nun den dänischen Generalkonsul Henrik Becker-Christensen und die SSW-Fraktionsvorsitzende Anke Sporendoonk, um mit ihnen über ihre Sicht der Dinge zu diskutieren.
| Es ist nämlich erstaunlicherweise so, dass die dänische Geschichte sich spiegelbildlich der Schleswig-Holsteinischen gleicht. Der Gegenspieler zu den Schleswig-Holsteinern war in Kopenhagen der Nationalliberale Orla Lehmann. Lehmann war ein scharfer Kritiker des dänischen Absolutismus. Und er wurde nur zum Minister ernannt, weil er dem König offen mit einem bewaffneten Aufstand im Land drohte. |
Auch er vertrat die Forderung nach bürgerlichen Freiheitsrechten mit der Forderung nach einem dänischen Nationalstaat unter Einschluss Schleswigs. Und so kam, was kommen musste: für die Schleswig-Holsteiner war Dänemark ein Unterdrücker, für die Dänen war der Schleswig-Holsteinische Aufstand ein Putsch. Für die dänische Seite war Schleswig-Holstein der Vorposten einer permanent drängenden aggressiven deutschen Politik, für die Schleswig-Holsteiner waren sie die vergessene und verarmte Provinz.
Als es dann in Folge der Revolutionen in ganz Europa 1848 zum bewaffneten Aufstand kam, wiederholte sich die Gegenseitigkeit der Schuldzuweisungen im ganz Kleinen. Am 18. März tagte im Rendsburger Theater erstmals eine gemeinsame Ständeversammlung beider Herzogtümer. Als Orla Lehmann das am 20.3. in Kopenhagen erfuhr, interpretierte er es als Aufstand und rief eine öffentliche Versammlung ein. Vor 15.000 Kopenhagenern forderte er, die derzeitige Regierung unverzüglich zu entlassen, sonst würde das Volk selbst dafür sorgen. Am 23.3. erfuhr man davon in Kiel und interpretierte das als Revolution in Kopenhagen, worauf man selbst eine provisorische Regierung bildete. Da aber gab es bereits eine neu konstituierte Zentralgewalt in Kopenhagen.
(Bildquelle: bitte auf Grafik klicken)
Am 24.3. besetzten Schleswig-Holsteinsiche Truppen unter der Führung des Prinzen von Nör das Arsenal in Rendsburg und entwaffneten die dänischen Soldaten. Damit war der Krieg unvermeidlich geworden.