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Der dänische Generalkonsul Henrik Becker-Christensen und Anke Spoorendonk, Fraktionschefin des SSW, waren ausgesprochen bewandert in der dänisch-schleswig-holsteinischen Geschichte. Reich beschenkt mit historischen Büchern aus ihrer Hand zog ich ab.
Das eigentliche Geschenk jedoch war das Gespräch. Folgender Gedanke wurde entwickelt: Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zerbrachen die alten Ordnungsprinzipien an neuen technischen Entwicklungen, der ersten Industrialisierungswelle, der ersten Globalisierung. Und damit zerbrach auch das alte feudale Staatsgefüge und damit auch die Idee des absolutistischen Herrschers.

Aber die Freiheitsforderung brauchte eine andere Autorität, um sich zu legitimieren. Also wurde die Nation erfunden. Insofern ist die Koppelung von „Freiheit“ und (nationale) „Einheit“ nicht zufällig, sondern systematisch – dennoch historisch. Ich frage mich, ob nicht die Situation jetzt eine ganz ähnliche ist, nur dass die Nation als Bezugsrahmen etwa die Stelle annimmt, die früher das Dorf hatte – und damit überholt ist. Wenn dem so wäre, wäre die Lektion aus der Geschichte, dass etwas anderes an ihre Stelle treten muss, etwas, auf das sich demokratische Bewegungen stützen können.
Abends dann noch zum Norfriisk Instituut in Bredstedt. Auch die Friesen fürchten, ihre Arbeit nicht fortsetzen zu können, da ihnen jetzt Geld für anderthalb Stellen gestrichen werden. Dabei, so sagen sie zu Recht, ist Identität mit der Region so wichtig. Und sie wussten von der Sommerreise und schenkten mir ein weiteres Buch über Lornsen.