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Der längste Tag der Sommerreise. Gleich ist Mitternacht und langsam kommt die Kraft zurück. Dummerweise auch die Müdigkeit. Prof. Claus von Carnap-Bornheim, der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen, begrüßte mich heute mit den Worten, sie hätten ein Programm zusammen gestellt, das einer Druckbetankung entspräche. Dazu so viele Pressevertreter, wie noch auf keiner Station. Aber es war – fast wird es langweilig, weil ich schreiben muss "wie immer" – ganz toll.
Mit einer Führung durch die Ausstellung im Danevirke Museet, die der Museumsleiter Nis Hardt präsentierte, begann es. Heute allerdings standen die Schlachten zwischen den Schleswig-Holsteinern und den Dänen im Vordergrund.
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Jochim Weise aus Lübeck erzählte von seiner Rekonstruktion des Schlachtfelds bei Idstedt anhand von Metallfunden und zeigte mir ein paar interessante Funde.
Herr von Carnap-Bornheim wies auf das Problem hin, dass Hobby-Schatzsucher unterwegs sind und die Münzen und die Patronen der Vorzeit aus dem Erdreich wühlen, vor allen Dingen Neonazis (er benutzte das Wort nicht), auf der Suche nach Nazi-Symbolen. Das Land könnte härter gegen sie vorgehen. Daraus entspann sich eine Diskussion über den Denkmalschutz, die sich durch den ganzen Tag zog. Wird ein spannender Herbst, wenn die Landesregierung endlich mal mit ihren Vorstellungen zum Denkmalschutz zu Potte kommt.
Jochim Weise erläutert Robert Habeck den Metalldetektor | ![]() |

Dr. Carsten Fleischhauer vom Volkskundemuseum Schleswig auf dem Hesterberg – 50 Meter von dem Ort entfernt, an dem 1844 das Sängerfest stattfand, jene Großdemonstration von 12.000 Menschen, auf der das Schleswig-Holstein-Lied erstmals gesungen wurde und die Landesfahne wirklich zum Symbol wurde - knüpfte nahtlos an und zeigte uns die neue Ausstellung, die auf 16 Stationen die Identitätsbildung des Landes darstellt.
Die erste Station, die erste Zeit, in der Schleswig-Holstein als einheitliches Staatssubjekt wahrgenommen wurde, bildete die Zeit der Sommerreise, die Revolution von 1848 und das Davor und Danach. Viele Motive von den Besuchen in der Landesbibliothek tauchten wieder auf. Vor allen Dingen machte die Mobilitätsausstellung im Untergeschoss deutlich, wie sehr sich die Lebenswelt um 1830-1845 der Menschen im Land revolutionierte. Es gab 1832 die erste befestigte Straße im Land (zwischen Kiel und Altona), 1844 im Jahr des Sängerfests wurde die erste Eisenbahnlinie fertig gestellt. Die These, die ich vom Lornsen-Besuch auf Sylt hier bestätigt fand: die behütete Dorfwelt geriet unter großen Druck durch Industrialisierung und Beschleunigung. Die alten Strukturen lösten sich auf. Neue mussten gefunden werden, die neue Klammer bildete die Nation.

Eine ergreifende Geschichte erzählte Herr von Carnap-Bornheim. Bei Missunde fiel ein 19 Jahre junger Soldat. Sein Grabstein steht dort noch heute. Und er hieß "Leberecht Lange". Ein Name wie ein Fanal. Und dann mit 19 Jahren erschossen.
Nach der Pressekonferenz und ohne Pressebegleitung und schon ziemlich erschöpft fuhr ich dann ins Prinzenpalais ins Landesarchiv. Und wie froh ich jetzt bin, dass ich das gemacht hab. Dort zeigte Prof. Dr. Rainer Hering mir die Orginalschrift des "Staatsgrundgesetzes von 1848", der ersten demokratischen Verfassung von Schleswig-Holstein. Ein bisschen war es, als hielte man die Constitution der USA in den Händen, ein Hauch von Erhabenheit in der Luft. Und langsam werden die Männer des Aufstandes zu meinen Vertrauten. Im Staatsgrundgesetz stehen Sätze, die bis heute beispielhaft sind.
Abends las ich die Zeitungsberichte von Theodor Mommsen über das Staatsgrundgesetz. Und anders als in den anderen Ländern galt ja die Verfassung wenigstens für drei Jahre. Man kann also schon sagen, dass Schleswig-Holstein nicht nur wegen der elenden Schlachten sondern auch demokratiegeschichtlich in jenen Jahren ganz vorn und beispielhaft in Deutschland war.
Am meisten angetan jedoch haben es mir die Regierungsprotokolle, ein dicker Band von 1848 mit den Wahlergebnissen und Wortprotokollen der Regierungssitzungen. Und das Beste ist der Titel, den sich diese Regierung selbst gegeben hat. Sie nannte sich "insurrektionelle Regierung" - die rebellische Regierung. Dagegen klingt die "Koalition des Aufbruchs" unserer aktuellen schwarz-gelben Koalition wie ein Hohn.