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1. September 2004

Gender-Mainstreaming – Worum geht es??

Über die rechtliche Gleichstellung hinaus geht es darum, für Frauen und Männer faktisch eine gleiche Teilhabe an politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen zu erreichen. Die Geschlechter sollen neue Wege gehen, mit neuen Möglichkeiten und neuen Verantwortlichkeiten. Frauen sollen familiäre Macht abgeben und sich mehr öffentliche Macht aneignen. Männer sollen öffentliche Macht abgeben und mehr auf der familiären Ebene erscheinen. Es muss eine gesellschaftliche Aufbruchstimmung geschaffen werden, in der sich alle bewegen. Männer müssen akzeptieren, dass Frauen sich nicht automatisch männlich geprägten Lebensplanungen anschließen.

Wie alles gekommen ist

Der Gender Mainstreaming-Ansatz begann sich 1994 im Europarat zu entwickeln. Er setzte einen Ausschuss ein, der für Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen zuständig war und die Verpflichtung hatte mit allen Ausschüssen zusammenzuarbeiten. Das Gender-Mainstreamin-Konzept wurde später von der UNO als obligatorischer Tagesordnungspunkt in die tägliche Arbeit übernommen. Der Generalsekretär der UNO unterliegt einer Berichtspflicht.

1997 entwarf eine Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission ein Strategiepapier zur konkreten Umsetzung des Gender Mainstreaming. Es wurde nachfolgend ein Berichtswesen für alle Dienststellen eingeführt und Beauftragte benannt. Die EU-Kommission sowie der Europarat veröffentlichen jährlich einen Bericht, in dem der Umsetzungsstand und konkrete Maßnahmen zu Gender Mainstreaming dargestellt werden. Im Vertrag von Amsterdam wurden 1998 in Artikel 2 und 3 die Rechtsgrundlagen des Gender-Mainstreaming festgeschrieben.

Wer macht mit

In vielen Ländern sind Fortschritte seit der UNO-Weltkonferenz in Peking 1995 eingetreten. Die gleiche Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft wird von vielen als Voraussetzung für eine tragbare wirtschaftliche, soziale und demokratische Entwicklung gesehen. Die Pekinger Konferenz setzte hier einen Anstoß im Aufbau von Methoden und Institutionen weg von der alleinigen Gewichtung der Frauenperspektive hin zu einer Geschlechterperspektive.

Die Bundesrepublik Deutschland begann erst 1999, das Prinzip des Gender Mainstreaming als Querschnittsaufgabe anzuerkennen. In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung 2002 und ein umfassendes Rahmenkonzept zum Gender-Mainstreaming beschlossen, in das alle Ministerien verbindlich eingebunden sind. Es umfasst Personalschulung, konkrete Maßnahmen, Modellprojekte, Effektivitäts- und Zielkontroll.  Gender Mainstreaming ist eine Ergänzung der bisherigen Politik, die traditionelle Frauen- und Gleichstellungspolitik bleibt weiterhin unverzichtbar.

Zusätzliche Information

Irene Fröhlich Stellv. Fraktionsvorsitzende