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Zukunft der kommunalen Energieversorgung - Alles im grünen Bereich?

Dienstag, 11.3.08, 19 Uhr- der Konferenzsaal des Landeshauses ist voll besetzt. Manche Gäste haben eine lange Fahrt hinter sich gebracht, sogar die weite Reise aus Niedersachsen wurde in Kauf genommen, um an dem heutigen Energiepolitschen Gespräch teilzunehmen. "Die Zukunft der kommunalen Energieversorgung" – ein spannendes Thema.

Nach einführenden Worten und einer Präsentation (hier zur Präsentation) von Detlef Matthiessen beleuchtete der ehemalige Energiestaatssekretär Willi Voigt kritisch die Frage, wie frei der Freie Markt den nun wirklich ist (hier zum Vortrag). Sein Fazit: noch immer wird der Wettbewerb durch Gebietsmonopole, einseitige Subventionen und Scheinpreisverhandlungen an der Leipziger Strombörse verzerrt. Strukturelle Veränderungen und schärfere Gesetze sind notwendig, um die derzeit bestehenden Machtstrukturen zu durchbrechen, einen tatsächlichen Wettbewerb entstehen zu lassen und die Klimaschutzziele zu erreichen. Dezentrale Versorgung ist dabei nicht nur der Schlüssel für eine effizientere Energienutzung, sondern beinhaltet auch die Stärkung der Wirtschaft vor Ort.

Bernd Michaelis vom Verband der kommunalen Unternehmen machte auf die Widersprüchlichkeit von (europäischer) Ordnungspolitik und der kommunalen Gestaltungsfreiheit im Bereich der Daseinsvorsorge aufmerksam (hier zur Präsentation). Des weiteren sprach er sich für den Citizen Value aus, der sich im Gegensatz zum Shareholder Value den Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit stellt, um sozial verträgliche Gebühren und Prozesse zu schaffen. Mögliche Gewinne kommen so den Kommunen zu Gute, die durch Synergien der Sparten Energie, Wasser und Abfall wirtschaftliche Effektivitätssteigerungen erreichen können.

Nach einer kurzen Pause, in der sich die Gäste am Büfett stärken konnten, berichtete Geschäftsführer Joachim Reuland von seinem innovativen Versorgungsunternehmen in Börnsen (hier zum Vortrag). Geleitet von dem Gedanken, die Umwelt weniger zu belasten, gründete sich vor 11 Jahren der Gas-und Wärmedienst Börnsen, der heute mit seinem preisgünstigen Nahwärmekonzept die Bewohner des 4000-Seelen-Ortes begeistert. Ein eigenes Stromnetz, das "Wunderrohr von Börnsen", in dem Erdgas über den Tag gespeichert wird, eine Erdgasentspannungsturbine und viele weitere Innovationen machen den kleinen Versorger auch wirtschaftlich zu einem Erfolgskonzept.

Last, but not least erklärte der Energieberater der Stadt Eckernförde, Günther Sigmon, ein anderes zentrales Konzept zur Verringerung der CO2-Ausstoßes: der Energieeinsparung. Neben bekannten Maßnahmen wie der Solaranlage auf dem Dach oder besserer Isolierung von alten Häusern stellte er das "Ampel-Konzept" vor, das für eine gleichmäßige Auslastung des Stromnetzes sorgt und plädierte für Zeitschaltuhren für Starkverbraucher sowie der Nutzung von neuen Waschmitteln, die hohe Waschtemparaturen unnötig macht.

Die nachfolgende Diskussion fiel kurz aus- nach mehr als drei Stunden gingen die Besucher informiert und zufrieden nach Hause. Vielleicht, um dort die Waschmaschine anzustellen, mit 40° Waschtemperatur anstatt mit 60°.

Zusätzliche Information

Detlef Matthiessen