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15. Januar 2009

Es werde Licht!

Stadt- und Straßenbeleuchtung klingt auf den ersten Blick als politisches Handlungsfeld nicht hochspannend. Ist es aber!

Na klar, das gehört sich für Grüne: Die Nachtfalterverträglichkeit wichtig. Dazu unten mehr. Vor allem aber kann man etwas für den Klimaschutz tun, ordentlich CO2 sparen aber auch öffentliche Ausgaben und auch die Nachfalter können profitieren.

Der deutsche Straßenlampenpark ist nämlich stark überaltert. Da sollten grüne Kommunalas und Kommunalos ran und modernisieren. Es interessiert die BürgerInnen, weil es ihr ganz persönliches Umfeld ist. Stichworte: Verkehrsicherheit, Stadtmarketing –wir setzen unsere schöne Innenstadt ins rechte Licht, Beseitigung von Angsträumen. Wer leuchtet Dir nachts heim? Funzeliger Klimakiller oder toller Ökostrahler?

Damit kann man Politik machen.

Zuerst ein paar Fakten, dann einige Handlungsvorschläge.

Die Anlagen zur Straßenbeleuchtung sind oft 35, 40 Jahre oder älter.

Manchmal wird aus Budgetgründen einfach abgeschaltet. Das ist verständlich, zahlen die Bürger in Deutschland im Durchschnitt (als Steuerzahler) doch über 7 Euro für das Straßenlicht. Bei einer Leistung von 7 Watt (W) und einer Arbeit von 55 Kilowattstunden (kWh) pro Kopf verbraucht Deutschland ca. 7 Prozent seines Lichtstromverbrauches im Bereich Straßenbeleuchtung. Der Lichtstromverbrauch liegt bei 6,5 Prozent des Gesamtverbrauches. Das sind mehrere Großkraftwerke.

Bei einer konsequenten Modernisierung der Straßenbeleuchtung ließen sich 3,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das deutsche Energiebetriebene Produkte Gesetz EBPG vom 7.3.2008 setzt eine EU-Richtlinie[1] in nationales Recht um. Danach sollen in Zukunft Mindestanforderungen auch bei Straßenleuchten gelten:

  • Dimmbarkeit und Ausschaltfähigkeit
  • hoher Schutz bedeutet weniger Wartung
  • günstige Lichtverteilung, Lichtlenkung, gesteigerter Gesamtbeleuchtungswirkungsgrad
  • Vorschaltgeräte mit sehr geringer Verlustleistung

Auch wenn die Anforderungen noch nicht im Einzelnen ausgearbeitet sind, steht schon heute fest: Die alte Quecksilberdampflampe hat ausgedient und wird ihre Zulassung verlieren.

Angesichts der finanziellen aber auch klimapolitischen Bedeutung steht es grüner Kommunalpolitik gut an, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen, eine fachliche Führungsposition zu erarbeiten und das als kleine Kampagne (Flyer, Pressearbeit, Bürgerbeteiligung) politisch gewinnbringend zu nutzen. Also nicht wie bei Grüns üblich 90 Prozent inhaltliche Arbeit und auch noch eine kleine Pressemitteilung, sondern 30 Prozent Inhalt, 70 Prozent Kampagne. Wir sind die Leuchten und das sollen die Leute auch wissen.

Einige Daten veranschaulichen das Potenzial[2]:

Lampenart

Quecksilber-
dampf

Natrium-
hochdruck

Halogenmetall-
dampf

LED

Energiekosten/Jahr
3300 Stunden ca. 15 Cent/kWh

136,90

41,46

34,97

29,97

Qualität Farbwiedergabe

40

20

60-70

80

Gesamtkosten Euro incl.
Invest, Wartung, Reparatur etc.

152 = 100%

55 = 36%

61 = 40 %

89 = 59%

 

Lichtqualität spielt eine große Rolle. Weißlicht wird sehr viel angenehmer empfunden, die Farbwiedergabe macht im Innenstadtbereich Qualität und Wohlgefühl. Geht man bei einer 30jährigen Lebensdauer des Systems[3] von steigenden Stromkosten aus, dann werden die finanziellen Effekte sehr viel deutlicher und die moderne LED (Licht emittierende Dioden) gewinnt Vorteile. LED-Technik ist schon ein kleiner Quantensprung, man kennt es von modernen Taschen- oder Stirnlampen, wo man wirklich selten die Batterie wechseln muss. Die Anwendung im Straßenlicht steht noch am Anfang, aber die Technik kommt. So plant z.B. die Indal Deutschland GmbH, noch in diesem Jahr mit LED-Straßenlicht auf den Markt zu kommen.[4]

Was tun?
An erster Stelle steht die Erfassung der rauen Wirklichkeit. Anfrage an die Verwaltung, gibt es noch Quecksilberdampflampen, wenn ja wo wie viele etc. Nach der Pflicht die Kür:

Erstellung eines Straßenbeleuchtungskatasters! Das tut mancher Verwaltung schon weh, aber kein Haushälter wird sich hinstellen und sagen: Ich weiß leider nicht, wie viel Straßenlampen ich in meinem Verantwortungsbereich habe und wo die stehen erst recht nicht. Beim Straßenbeleuchtungskataster muss man wissen wo, wann errichtet, wie zu schalten, Schaltzeiten, Strombezugskosten im HT- und NT-Tarif, spezifischer Stromverbrauch, Hauptverkehrsstraße, Nebenstraße, Wohnstraße, Fußgängerzone, Radweg, Plätze, Fußgängerüberweg, Pilz-, Koffer-, Langfeldleuchte, Zylinderaufsatz, Altstadttyp, Ganznacht, Teilnacht, Halbnacht bei Doppelbestückung, Leuchtmittelwechsel ereignisorientiert oder in Gruppen, Beschaffungskosten Leuchtmittel, Montagekosten und so weiter. Wie gut, dass Ihr Euch die Arbeit nicht machen müsst. Wir stellen eine Musteranfrage zur Verfügung. Auf der Grundlage dieser Erfassung kann dann eine schrittweise Modernisierung mit entsprechenden grünen Anträgen auf den Weg gebracht werden.

Selber ran oder Contracting?
Contracting durch Dritte als Spezialisten hat Vorteile: Sie bringen auch noch das Geld mit, die Kommune spart, Rundum-Sorglos-Paket und Du brauchst Dich um nix zu kümmern…
Nachteilig sind die aufwändigen Verhandlungen und die Kontrolle während der Vertragslaufzeit, Kommunen können Förderung beantragen (Link Nr. 3), den Gewinn des Contracting-Unternehmens kann die Kommune auch für sich selber realisieren.

Zum Schluss noch der Nachtfalter:
Er reagiert auf bestimmte Spektren im UV-Bereich und natürlich auf Streulicht. Moderne Straßenbeleuchtung beleuchtet den Radweg und nicht den Himmel mit sehr geringem UV-Lichtanteil und bietet keine Einschlupfmöglichkeit für Insekten in das Leuchtengehäuse. Die grüne Modernisierungsoffensive Straßenlicht beglückt also Mensch und Nachtfalter.

 

Interessante Internetzseiten:

  1. http://www.strassenlicht.de/
  2. http://www.kommunaler-klimaschutz.de/
  3. http://www.fz-juelich.de/ptj/klimaschutzinitiative-kommunen/

[1] 1 Richtlinie 2005/32/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte [Ökodesign- oder EuP-Richtlinie(energy using products)]

[2] Günther Volz, beratender Ingenieur, in der BWGZ 8/2008: http://www.gemeindetag-bw.de/

[3] Leuchtmittel 2-4 Jahre, Leuchten > 30 Jahre, Verkabelung und Masten > 50 Jahre

[4] Mündliche Mitteilung Christoph Walther vertrieb@indal-gmbh.de

 

Zusätzliche Information

Detlef Matthiessen