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Nach der Schulreform muss die Regierung nun auch die Reform der Lehrerbildung anpacken. Das stellte gestern niemand in Frage. Es ging vielmehr darum, wie diese Reform aussehen kann. Bündnis 90/Die Grünen hatten dazu bereits im letzten Jahr einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der aber von der großen Koalition abgelehnt wurde. Der Lüneburger Professor für Schulentwicklung Matthias von Saldern bescheinigte dem grünen Vorschlag ein hohes Potential: Er sei kreativ, nehme die neusten Erkenntnisse auf und decke sich sogar weitgehend mit einem Vorschlag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Dieser große Wirtschaftsverband fordert bereits 2006 unter dem Motto "Lehrer sein heißt, Kindern Flügel verleihen" die Abschaffung der schulformbezogenen Lehrerausbildung und die Ausbildung von Stufenlehrern.
Im Kern sei das grüne Konzept richtig, weil es schon mit Beginn des Studiums seine systematische inhaltliche Verzahnung von Theorie und Praxis vorsehe, urteilte von Saldern in seinem engagierten Vortrag. Im Detail bedürfe der grüne Vorschlag aber noch einiger Ergänzungen. Der Bildungsexperte sprach dabei insbesondere die Ausbildung in der Elementarstufe an: Jeder Lehrer müsse zwar mit den Kindern ein Lied singen können, könne aber nicht jedes Fach unterrichten. Dem pflichtete in der anschließenden Diskussion, die von Florian Bernstorff moderiert wurde, eine Mathematikprofessorin der Universität Flensburg bei: Weil in der Grundschule das Fundament für das Mathematikverständnis gelegt werde, dürfe man hier auch nur Mathelehrer einsetzen, die Begeisterung für das Fach vermitteln.
Der Prorektor der Universität Flensburg Manfred Blohm mahnte mehr Freiheit für die Lehrer an: Schon die Schulreform überfordere so manchen Lehrer mit zu vielen neuen Regeln. Blohm erwartet von einem neuen Lehrerbildungsgesetz auch die Definition von Freiräumen für Lehrer.
Ein wichtiger Punkt im grünen Gesetzesentwurf ist die Weiterbildung der Lehrer. Die derzeitige Situation im Land ist nach Meinung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unbefriedigend. Vorstandsmitglied Marlies Tepe kritisierte: Weiterbildung findet für schleswig-holsteinische Lehrerinnen und Lehrer nur im Kieler Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) an zwei Stunden nachmittags nach dem Unterricht statt. Baden-Württemberg gehe da mit gutem Beispiel voran: Hier werden zweiwöchige Fortbildungskurse angeboten, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Lernstoff erlauben.
Einig war man sich in der Diskussion darüber, dass die neue Schule nicht nur neue Lehrer, sondern auch eine neue Architektur braucht, nach den neusten Erkenntnissen der Lernforschung. Die Flensburger Ratsfrau und bildungspolitische Sprecherin der Grünen Ellen Kittel-Wegner sagte dazu, dass die Kommune stets versuche, sich nach den Wünschen der Schulen zu richten.
Am Ende der Diskussion stand die Frage im Raum, "Wo gibt es Bündnispartner für die Realisierung des Grünen Konzepts?" Von der GEW und von einer Spitzenorganisation der Wirtschaft, die Deutsche Industrie- und Handelskammer, gibt es Unterstützung" resümierte Angelika Birk, "auch die SPD Fraktion im Landtag hat Sympathien für unser Konzept geäußert." Spätestens nach der nächsten Landtagswahl wird die derzeitige Blockade der kieler großen Koalition gegen die Lehrerbildungsreform Geschichte sein, hofft die bildungspolitische Sprecherin der Grünen Angelika Birk.