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Landtagsrede zum Thema "Große Anfrage Sport"
Dazu sagt der Vorsitzende Karl-Martin Hentschel:
Sehr geehrter Herr Präsident , sehr geehrte Damen und Herren,
auf der Homepage des Deutschen Olympischen Sport Bundes kann man nachlesen, dass der in Deutschland organisierte Sport mit seinen rund 27 Millionen Mitgliedschaften in 90.000 Turn- und Sportvereinen für die Gesellschaft unverzichtbare Leistungen erbringt.
Sport bietet den Menschen Gelegenheit sich jenseits der Berufswelt Aufgaben zu stellen, Herausforderungen zu meistern und so ein gesteigertes Selbstwertgefühl unabhängig der sozialen und kulturellen Herkunft zu entwickeln.
Die im Sportverein vermittelten Werte wie Teamgeist, Fairplay und Toleranz wirken sich insbesondere auf das Verhalten Jugendlicher im Alltagsleben positiv aus.
Parallel zur individuellen Bedeutung des Sports für den Einzelnen hat die soziale und politische Relevanz des Vereinssports zugenommen.
Fragen von Prävention und Gesundheit, Folgen des demographischen Wandels und Herausforderungen der Integration und des Umweltschutzes, um nur einige Beispiele zu nennen, sind verstärkt von Bedeutung für die zukunftsorientierte Ausrichtung des Sports, seiner Vereine und seiner ehrenamtlichen Führungsstrukturen.
Daher ist es erfreulich, dass bei 2,82 Millionen EinwohnerInnen in Schleswig-Holstein 859.069 Personen in Mitgliedsvereinen des LSV gemeldet sind, die Anzahl weiblicher und männlicher Mitglieder relativ ausgeglichen ist und immerhin 55 Prozent der Jugendlichen einem Sportverein angehören.
Die Landesregierung ist trotz der Veränderungen im Sport davon überzeugt, dass Schleswig-Holstein über eine zukunftsfähige Vereinsstruktur verfügt.
Trotzdem gibt es eine Reihe von Punkten mit Handlungsbedarf. Dazu gehören die Sportstätten. Nach der Erhebung der Sportstättenstatistik der Länder aus dem Jahr 2000 sind für das Land Schleswig-Holstein über die Hälfte der Sportstätten als sanierungsbedürftig (bis 2005) gemeldet worden. Die nächste Sportstättenstatistik des Landes wird 2007 vorliegen und ich befürchte, sie wird nicht viel anders aussehen.
Handlungsbedarf gibt es aber auch beim Jugendsport. Die Shell Jugendstudie 2006 berichtet, dass soziale Ungleichheiten in den jugendlichen Lebenswelten insbesondere auch im Freizeitbereich stark zunehmen. Die Shell Jugendstudie 2006 zeigt eindrucksvoll, wie auch das Gesundheitsverhalten nach sozialer Schicht der Jugendlichen variiert.
So sind gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen unter Jugendlichen aus der Unterschicht weit häufiger verbreitet als in mittleren und oberen Sozialschichten. Sie trinken 4-mal soviel täglich Cola und Limonade, leiden dreimal soviel unter mangelnder Bewegung und rauchen mehr als doppelt so viel.
Kulturelle und soziale Spannungsfelder, eine wachsenden Betroffenheit von relativer Armut und hohe gesellschaftliche Erwartungen an Leistung und Qualifikationen erhöhen den Druck auf Jugendliche. Das gilt insbesondere auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Daher haben die vom Landessportverband initiierten Projekte wie „Kinder in Bewegung“ oder „Integration durch Sport“ eine hohe Bedeutung.
Meine Damen und Herren,
wenn 55 Prozent der Jugendlichen im Sportverein sind, dann fehlen eben genau 45 Prozent. Und um diese zu erreichen, dafür spielen die Schulen eine entscheidende Rolle. Deswegen ist die Einbeziehung der Vereine bei der Weiterentwicklung der Schulen hin zu Ganztagsschulen eine strategische Aufgabe.
Schleswig-Holstein hat als eines der ersten Länder bereits im Jahr 2004 eine Rahmenvereinbarung des Bildungsministeriums mit dem LSV über „die Zusammenarbeit im Rahmen von Ganztags- und Betreuungsangeboten an Schulen“ geschlossen.
Wenn wir in Zukunft in den Schulen dahin kommen, den Gegensatz von Unterricht, Betreuung und Freizeit aufzuheben und zu Ganztagsschulen kommen, in denen Konzentrations- und Entspannungsphasen sich abwechseln, dann sollte der Sport dabei eine hervorragende Rolle spielen.
Vielleicht ist dann die tägliche Stunde Sport an den Schulen keine Utopie mehr - sondern ein realistisches Ziel.