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Landtagsrede zum Thema "Holzbeschaffungsrichtlinie"
Dazu sagt der umweltpolitische Sprecher Detlef Matthiessen:
Im Zuge des Klimawandels und der knapper und teurer werdenden fossilen Ressourcen bekommt Holz eine immer größere Bedeutung. Auch bei uns kann es passieren, dass der steigende Marktpreis Begehrlichkeiten weckt. Mangels großer Wälder ist ein großflächiger Kahlschlag, wie er in Kanada, Finnland oder Karelien stattfindet, hierzulande nicht zu befürchten, aber ob Nachhaltigkeitskriterien in jedem Falle Beachtung finden, ist nicht in jedem Falle gesichert.
Wir müssen uns auch Gedanken machen, was in anderen Ländern der Welt passiert und unseren Teil dazu beitragen, dass mit den Waldressourcen der Welt pfleglich umgegangen wird. In der globalisierten Welt muss auf ökologische und soziale Standards geachtet werden, in unserem ureigensten Interesse einer Volkswirtschaft, in der hohe Standards etabliert sind, gegen Verzerrungen im Wettbewerb. Nicht zuletzt auch, weil wir in Einer Welt leben, und diese Eine Welt gemeinsam erhalten wollen.
Es gibt hervorragende Grundsätze nachhaltiger Waldbewirtschaftung und viele öffentliche und private WaldbesitzerInnen in der Welt, die sich daran halten - aus Einsicht in die Verantwortung für die Zukunft und die nachfolgenden Generationen.
Die Bundesregierung hat einen Erlass zur Beschaffung von Holzprodukten verabschiedet, in dem steht:
Holzprodukte, die durch die Bundesverwaltung beschafft werden, müssen nachweislich aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammen.
Wir wollen, dass die Landesregierung von Schleswig-Holstein dem Beispiel der Bundesregierung folgt und eine Richtlinie für die Holzbeschaffung bei allen baulichen Aktivitäten des Landes erlässt. Wir wollen, dass die öffentliche Hand in Schleswig-Holstein nur Holz einkauft, das aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern geschlagen wurde.
In Deutschland arbeitete von 1997 bis 2001 eine Arbeitsgruppe des Forest Stewardship Council (FSC) an Standards für die Waldbewirtschaftung, die beim Holzeinkauf berücksichtigt werden sollen. Ende 2001 wurde das Arbeitsergebnis als gültiger FSC-Standard anerkannt. An dieser Arbeitsgruppe waren private Forstverwaltungen, Umweltverbände, Wirtschaftsunternehmen wie Max Bahr, Gardena, Otto, OBI, Renz u.a. beteiligt sowie der Gesamtverband Deutscher Holzhandel, einzelne Gewerkschaften und kommunale Behörden.
Der erarbeitete Standard sieht vereinfacht etwa folgendermaßen aus: Die Waldbewirtschaftung soll die biologische Vielfalt und die damit verbundenen Werte, die Wasserressourcen, die Böden sowie einzigartige und empfindliche Ökosysteme und Landschaften erhalten und dadurch die ökologischen Funktionen des Waldes gewährleisten. Der Druck von Plantagen auf Naturwälder soll reduziert werden.
Die Waldbewirtschaftung muss langfristig wirtschaftlich tragbar sein. Die Belange der lokalen Bevölkerung sind zu respektieren.
Die Waldbewirtschaftung soll alle relevanten Gesetze des produzierenden Landes sowie internationale Verträge und Abkommen, welche das Land unterzeichnet hat, respektieren. Nutzungsrechte an Land- und Forstressourcen sollen klar definiert, dokumentiert und rechtlich verankert sein. Die Rechte der indigenen Gruppen sind dabei anzuerkennen und zu respektieren.
So ermöglicht beispielsweise die nun erfolgte FSC-Zertifizierung einer deutschen Tiefdruckerei die Produktion von Katalogen und Magazinen mit FSC-Zertifikat in großen Auflagen. In Großbritannien boomt der FSC-Bausektor - dort verpflichtete sich der größte Baustoffhändler dazu, seine Materialien auf FSC umzustellen. Und in Spanien setzte der öffentliche Sektor ein Zeichen: im Erweiterungsbau des berühmten Prado-Museums in Madrid wurde ein signifikanter Anteil an FSC-Holz verbaut.
Wir wollen, dass in Schleswig-Holstein nur Holz gekauft und verbaut wird, das nach diesen Grundsätzen produziert wird. Nur dann gibt es die Chance, dass auch unsere Enkel sich noch über Wälder und Holzressourcen freuen können.