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Landtagsrede zum Thema "Biologische Vielfalt erhalten"
Dazu sagt Detlef Matthiessen:
Seit wir heute Morgen unsere Landtagssitzung begonnen haben, sind bereits acht Arten ausgestorben. Eine Pflanze, mit einem Wirkstoff gegen Krebs? Eine Millionen Jahre alte Korallenart? Eine Getreideart, mit geringem Wasserbedarf, die hätte helfen können, den Hunger in der Welt zu besiegen? Wir wissen es nicht. Was wir wissen ist, dass durchschnittlich alle 15 Minuten eine Art für immer von der Erde verschwindet und dass das eine Menge mit uns zu tun hat.
Und was tut diese Landesregierung? Sie spricht von der bunten Vielfalt unserer Heimat, und weigert sich auf der anderen Seite beharrlich, die dringend benötigten Vogelschutzgebiete auf Eiderstedt auszuweisen und öffnet dem Grünlandumbruch auf Eiderstedt Tür und Tor. Die Trauerseeschwalbe ist wieder deutlich auf dem Rückzug, massive Entwässerung lässt die Wasserstände in den Gräben sinken; Kiebitz, Rotschenkel und Uferschnepfe bekommen kaum noch Küken groß, weil die Landwirtschaft immer intensiver wirtschaftet, jeder Flecken genutzt wird.
Und die Landesregierung spricht vom gemeinsamen Ziel der EU, bis zum Jahr 2010 den Artenschwund zu stoppen und lässt zu, dass im Kreis Lauenburg, im Kreis Plön, im ganzen Land Knicks und ganze Baumreihen abrasiert und ins Sägewerk geschafft werden.
Jede zweite Pflanzenart, jeder zweite Vogelart, drei Viertel der Amphibien in Schleswig-Holstein sind gefährdet oder bereits aus der Landschaft verschwunden. Die Zwergmöwe ist nicht mehr da, der Papageientaucher ist weg, die Sumpfschildkröte, der Stör. Sie fehlen uns – und machen uns ärmer. Jede Art, die uns verloren geht, macht uns alle ärmer.
Wir brauchen keine schöne Umweltlyrik. Wir brauchen konkrete Maßnahmen, um den Aderlass an biologischer Vielfalt zu stoppen. Wie auch beim Klimaschutz haben wir kein Wissensproblem – wir haben ein Umsetzungsproblem!
Wir fordern daher die Landesregierung auf, dem Parlament zu berichten, wie die Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie in Schleswig-Holstein umgesetzt werden sollen. Dazu gehören:
-> Umsetzung der FFH- und Vogelschutzrichtlinien: Abschluss der Gebietsausweisungen bis 2010, Erstellung von Managementplänen für alle Gebiete und Verbesserung des Erhaltungszustands aller Arten und Lebensraumtypen bis 2020
-> Vernetzung der Habitate (Biotopverbund) bis 2010
-> Präzisierung und Ökologisierung bzw. Festlegung einer guten fachlichen Praxis in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft bis 2010
-> Schaffung eines Systems von Wäldern mit natürlicher Entwicklung auf 5 Prozent der Fläche
-> Abkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Flächenverbrauch und Reduzierung des Flächenverbrauchs von derzeit zirka 120 Hektar/Tag auf 30 Hektar/Tag im Jahr 2020.
Die Landesregierung sagt immer, man müsse Naturschutz "mit den Menschen machen". Aber machen Sie ihn auch mit dem Laubfrosch, mit dem Schlammpeitzger und mit dem Fischotter? Im Zweifel haben Sie noch immer den wirtschaftlichen Interessen Vorrang gegeben.
Frau Merkel redet grün, Herr Gabriel macht auf Klima und selbst Herr von Boetticher soll schon mal eine Kröte über die Straße getragen haben. Aber beim nächsten Großprojekt wird wieder voll Häme über die Mopsfledermaus, den Feldhamster und den Wachtelkönig gespottet! Die großen Koalitionen in Bund und Land haben das Motto "Grün reden – aber schwarz regieren". Zeigen Sie uns, dass Sie auch anders können und stimmen Sie unseren Anträgen zu.