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28. Januar 2009

De Jager muss gehen

Landtagsrede zum Thema "De Jager in einstweiligen Ruhenstand versetzen "

Dazu sagt der Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Karl-Martin Hentschel:

Die Negativschlagzeilen um das UKSH nehmen kein Ende. Das Schiff hat Schlagseite, bereits der sechste Decksoffizier hat unter Protest gegen den Kapitän das Schiff verlassen und die Reederei namens Landesregierung tut so, als sei das alles normal.

Natürlich kann man sagen, das waren alles Deppen. Es ist aber schon auffällig, dass diese Deppen anderswo durchweg als qualifiziert und kompetent gelten.

Da war die hoch angesehene Inhaberin der Vorstandsposition für Krankenpflege und Patientenservice, Barbara Schulte. Sie ging, weil sie es hier nicht mehr aushielt. Nun ist sie Geschäftsführerin im Vorstand der Uniklinik Göttingen und wird dort hoch gelobt: "Frau Schulte hat uns als außergewöhnlich dynamische und energische Persönlichkeit mit ihrer hohen Fachkompetenz überzeugt" heißt es dort auf der Homepage.

Oder nehmen wir den Weggang von Günter Zwilling. Auch er schied, wie man hörte, im Unfrieden. Seit einem Jahr ist er stattdessen kaufmännischer Direktor der Uni-Klinik Köln. Hier in Kiel vergingen derweil Monate, bis eine Nachfolge mit Julia Kähning gefunden wurde.

Schließlich wurde auch der Vorstandsvorsitzende des UKSH, Prof. Dr. med. Bernd Kremer rausgemobbt, in dem man ihm erst die Kripo auf den Hals jagte – und anschließend kleinlaut mitteilen musste, dass man sich offensichtlich geirrt hatte. Nun wird Prof. Kremer statt dessen Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft NRoCK.

Auch die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzenden ist mehrfach gescheitert. U.a. lehnte der Essener Neuroradiologe Prof. Dr. Michael Forsting diese Position ab, obwohl man sich bereits vertragseinig gewesen war. Begründet hat er das folgendermaßen: "Die Politik in Schleswig-Holstein hat in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass man weder auf ärztliches noch auf kaufmännisches Wissen im Vorstand Wert legt", heißt es in einem Schreiben Forstings deutlich.

Auch der Wirtschaftssachverständige im Aufsichtrat, Uwe Petersen, legte mit unmissverständlichen Worten sein Amt nieder. Ich zitiere aus der Landeszeitung vom 16. Dezember 2008: "De Jagers 'hohes Maß an persönlicher und sachlicher Inkompetenz, verbunden mit zunehmender Arroganz', hätten die Sitzungen des Aufsichtsrates zu einer Show gemacht."

Als sechste in dieser Reihe legte die Aufsichtsrätin Prof. Eva-Bettina Bröcker, Dermatologin am Würzburger Uniklinikum, ihr Amt nieder. Ich zitiere die KN vom 13.01.2009: "Bröcker schrieb an Wissenschaftsminister Werner Marnette, "zur stimmlichen ,Absegnung' teilweise kaum nachvollziehbarer struktureller und personeller Veränderungen im UK S-H nicht länger bereit" zu sein. Der Aufsichtsrat sei, beklagt Bröcker, "überproportional politisch dominiert".

Wenn sechs leitende Persönlichkeiten meist unter direktem Verweis auf die Unfähigkeit des Aufsichtsratsvorsitzenden ihr Amt niederlegen oder gar nicht erst antreten, dann kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Es ist offensichtlich, dass Staatssekretär de Jager durch sein Amt überfordert ist. Bevor wir die nächsten Hiobsbotschaften hören und der neue designierte Vorstandsvorsitzende Thomas Kersting auch noch geht, sollte Minister Marnette erst mal persönlich den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Er hat immerhin Führungserfahrung aus der Wirtschaft. Das Maß ist voll. Ich erwarte von der Landesregierung unverzügliches Handeln.

 

 

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