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6. Mai 2009

Gentechnik auf dem Acker? Nein Danke!

Landtagsrede zum Thema "Beitritt Schleswig-Holsteins zum europäischen Netzwerk "Gentechnikfreie Region"

Dazu sagt Detlef Matthiessen:

Mit der Zustimmung zu unserem Antrag, dass Schleswig-Holstein wieder dem europäischen Bündnis gentechnikfreier Regionen beitritt, haben wir die große Chance, genau das zu tun, was die Menschen draußen im Land von uns erwarten.

Die BürgerInnen wollen eine gentechnikfreie Landwirtschaft und gentechnikfreie Lebensmittel, denn die ökologischen und gesundheitlichen Risiken sind längst nicht ausgeleuchtet.

In Umfragen sprechen sich mehr als Dreiviertel der Bundesbürger gegen genmanipulierte Lebensmittel aus. An der Kennzeichnung "Ohne Gentechnik" würden sich beim Einkauf 73 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher orientieren und eher Produkte kaufen, die diesen Hinweis tragen. Lediglich bei einem Viertel der Bundesbürger würde eine solche Kennzeichnung die Kaufentscheidungen eher nicht beeinflussen. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im vergangenen Monat vom Meinungsforschungsinstitut Forsa unter 1002 Bundesbürgern durchführen ließ.

Das Argument, dass es vor 2005, als Schleswig-Holstein noch Teil des Bündnisses war, an mehreren Stellen im Land Saatgutversuche mit gentechnisch verändertem Raps gab und dies heute, wo wir nicht mehr im Bündnis sind, diese Versuche nicht mehr gibt, geht an der Sache vorbei. Nicht Landesbehörden genehmigen Sortenversuche, sondern Bundesbehörden.

Trotzdem ist der Beitritt zu diesem Bündnis mehr als ein bloßer Papiertiger. Er ist ein wichtiges psychologisches Signal für die VerbraucherInnen, für die Landwirtschaft undnicht zuletzt auch für die abnehmende Hand im nachgelagerten Sektor der Lebensmittelproduktion.

Diese sind verunsichert: Einerseits verbietet Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau des Genmais MON 810 und begründet dies sehr richtig mit zu befürchtenden Gesundheitsgefahren. Wenige Tage später genehmigt die gleiche Frau Aigner den Anbau der Genkartoffel Amflora. BASF hat in diesen Tagen mit dem Anbau in Mecklenburg-Vorpommern begonnen.

Wie richtig die Entscheidung von Frau Aigner gegen den Genmais war, zeigt die heutige Entscheidung des Verwaltungsgerichts Braunschweig, welches im Eilverfahren das Anbauverbot der Genmaissorte Mon 810 gegen die Firma Monsanto bestätigt hat. Heute hat somit erstmals ein deutsches Gericht in einem Eilverfahren die Rechtmäßigkeit eines Genmais-Verbots bestätigt. In der Begründung hoben die RichterInnen hervor, dass nach vorläufiger Prüfung eine "Gefahrenlage" bestehe, wie sie das Gentechnikgesetz für ein solches Verbot verlange. Aus neuen oder zusätzlichen Informationen ergäben sich "Anhaltspunkte" dafür, dass Menschen oder Tiere geschädigt werden könnten, so das Gericht.

In Mecklenburg-Vorpommern mehrt sich der Protest besorgter AnwohnerInnen und UmweltschützerInnen. Zwar ist Amflora nicht für den Verzehr angebaut, sondern soll dem industriellen Gewinn von Stärke für die Klebstoffindustrie dienen. Die gentechnisch veränderte Kartoffel enthält jedoch ein Antibiotika-Resistenz-Gen. Die Verbreitung solcher Eigenschaften wegen geringster wirtschaftlicher Vorteile ist absurd.

Sehr geehrte Damen und Herren, stimmen Sie unserem Antrag zu. Lebensmittel aus Schleswig-Holstein genießen einen guten Ruf. Die VerbraucherInnen wollen sicher sein können, dass der Kauf und der Verzehr von landwirtschaftlichen Produkten aus unserem Land sicher und gesund ist – insbesondere wenn diese aus ökologischem Anbau stammen. Diese Sicherheit würde ihnen mit Anbau von Genfood genommen – denn ein Nebeneinander von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und "normalen" Pflanzen funktioniert nicht, da es zu Durchmischungen kommt. Dies wird bereits jetzt beim Honig deutlich, da die Bienen gentechnisch veränderte Pollen mitbringen. Und dies zeigen aber auch die zahlreichen kanadischen BiobäuerInnen, deren Existenz durch Gentechnik-Anbau von herbizidresistentem Raps durch die Firma Monsanto in der Nachbarschaft vernichtet wurde.

"Gentechnikfreie Region" ist auch ein Begriff, mit dem wir für unser Urlaubsland zwischen den Meeren werben können. Klare Luft, sauberes Wasser und vielerorts sichtbar Erneuerbare Energie, guter Geschmack und hohe Lebensmittelsicherheit: Dazu gehört auch Gentec-frei!

Wir haben Verantwortung für unsere VerbraucherInnen und genauso auch für unsere LandwirtInnen, die oft - auch ohne Gentechnik in der Nachbarschaft - zu kämpfen haben. Bitte, stimmen Sie zu, dass Schleswig-Holstein wieder eine von dann 189 deutschen Regionen und Initiativen im Bündnis gentechnikfreier Regionen sein darf.

 

 

 

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