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Zum Bündnis für Ausbildung 2009 erklärt der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Karl-Martin Hentschel:
Die Entwicklung auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist dramatisch. Die Zahl der Ausbildungsstellen bricht auf breiter Front ein. In Schleswig-Holstein beträgt die Zahl der gemeldeten Stellen 12.143 und liegt damit um 8,5 Prozent unter den Zahlen von 2008. Für die SchulabgängerInnen 2009 wird es deutlich schwerer, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, konkurrieren sie doch mit über 10.000 AltbewerberInnen.
Das duale Ausbildungssystem leistet großartige Beiträge in der Qualität der Ausbildungen und bei der Integration der Ausgebildeten in den ersten Arbeitsmarkt. Aber eben nicht für jeden Jugendlichen. Von den aktuell unversorgten Schulabgängern haben 40 Prozent einen Realschulabschluss und 11 Prozent sogar eine Fachhochschulreife oder Hochschulreife.
Die Jugendlichen, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz erhalten, erleben erst einmal das bittere Gefühl, dass die Gesellschaft sie nicht braucht. Sie kommen in staatlich finanzierte Warteschleifen. Inzwischen gibt es ein 3 Mrd. Euro teures undurchschaubares Übergangssystem, in dem sich bis zu 500.000 Jungendliche aufhalten. Sicher werden da auch brauchbare Inhalte vermittelt und die Jugendlichen sammeln erste berufliche Erfahrungen in Form von Praktika. Im nächsten Jahr stehen diese jungen Menschen dann wieder an, um einen Ausbildungsplatz zu finden.
Diese Bugwelle von AltbewerberInnen steht dem nächsten Jahrgang von SchulabsolventInnen bei der Ausbildungsplatzsuche im Weg und sorgt dafür, dass das Berufseintrittsalter in Deutschland mit 22 Jahren sehr hoch ist.
Anstatt weiter mit Programmen, Fördermaßnahmen und Handlungskonzepten an den Symptomen herum zu doktern, sollte die Politik endlich eine grundlegende, systematische Verbesserung des Ausbildungssystems vornehmen.
Wir brauchen neben dem dualen System eine vollqualifizierende Ausbildung mit Kammerabschluss an den Berufsschulen, auch als Produktionsschulen bekannt, mit Praxisanteilen in den Betrieben. Hier muss die Landesregierung aktiv werden und der neue Wirtschaftsminister Dr. Biel kann unseren Jugendlichen endlich konkret helfen. Die Gesundbeterei einer dramatischen Entwicklung hilft dabei nicht.