
Datum: 13. November 2009
Zum Schulbericht des Landesrechnungshofes erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Anke Erdmann:
Der Landesrechungshof bescheinigt der Landesregierung eine Fehlsteuerung bei den Bildungsausgaben. Eine Schule für alle, zumindest aber ein zweigliedriges Schulsystem, mehr Schulsozialarbeit, eine Neuordnung der Lehrerbildung, der Besoldungsstruktur von Lehrkräften und bei der Finanzierung der freien Schulen – die Forderungen des Landesrechungshofes lesen sich in diesen Punkten wie das Grüne Bildungsprogramm.
Nicht nachvollziehbar ist aus bildungspolitischer Perspektive die Forderung, die Demografiegewinne müssten vollkommen eingespart werden. Deutschland liegt international unter dem Durchschnitt für Bildungsausgaben. Der Rückgang der Schülerzahlen ist die Chance, die Schulsozialarbeit- und den Ganztagsschulbereich zu stärken, die Lehrkräfte zu entlasten, in Lehrerausbildung zu investieren, die frühkindliche Bildung auszubauen und zu verbessern und individuelle Förderung stark zu machen. Kurz: Wir brauchen den Demografiegewinn für den Qualitätssprung in der Bildung.
Die Kanzlerin hat vor einem Jahr die Bildungsrepublik ausgerufen, jetzt müssen Investitionen in Köpfe folgen. Gute Bildung ist systemrelevant!
Die Forderung, Schulstandorte konsequent zu streichen und die Mindestgröße von Grundschulen auf über 80 anzuheben, ist phantasielos. Kurze Beine, kurze Wege – das stimmt immer noch. Es gibt klügere Lösungen, auf sinkende Einschulungen zu reagieren: Wenn eine Schule ein gutes Konzept für jahrgangsübergreifenden Unterricht vorlegt, kann das die Zukunft einer Schule retten – ohne Qualitätsverluste in der Bildung. Hier helfen also Mindestgrößen und Lösungen von der Stange nicht weiter. Insofern begrüßen wir, wenn Minister Klug Schulen in einem ersten Schritt mehr Freiraum gibt.
Den Demografiegewinn im Schulbereich zu einem Gewinn für die Bildungslandschaft zu machen – das wird die zentrale Weichenstellung der kommenden fünf Jahre werden. Der Landesrechungshof hat beherzt Vorschläge gemacht, nicht alle zeigen in die richtige Richtung.