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Landtagsrede zum Thema "Gesetz zur Lehrerbildung"
Dazu sagt der Sprecher für Hochschulpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Rasmus Andresen:
Als vor ungefähr 3 Jahren die Grüne Fraktion den Ursprungsgesetzentwurf in den Landtag brachte, war Eile geboten. Die Lehrerbildung musste den aktuellen Herausforderungen strukturell und pädagogisch angepasst werden. Was ist seitdem im Bereich der Lehrerbildung passiert? Nicht viel.
Und genau das ist der Grund warum wir uns als Grüne Fraktion entschlossen haben einen ähnlichen Entwurf, mit einigen Ergebnissen aus der damaligen schriftlichen Anhörung wieder neu einzubringen.
Schleswig Holstein bildet weiterhin Lehrer für Schulformen aus, die es kaum noch gibt und nach dem Scheitern der Volksinitiative hoffentlich bald gar nicht mehr. Auf der anderen Seite gibt es Schulformen für die nach wie vor keine Lehrer ausgebildet werden. Seit 2 Jahren gibt es nun die Regionalschule - führt dies dazu, dass in der Lehrerbildung gehandelt wird? Fehlanzeige. Wir stellen die pädagogischen Bedürfnisse der SchülerInnen in den Vordergrund. Und eben nicht verkrustete Schulformen!
Auf zwei Punkte möchte ich aus unserer Sicht näher eingehen. Erstens der Praxisbezug: Durch unseren Gesetzentwurf wird der Praxisbezug in der Lehrerbildung ins Zentrum gestellt. Natürlich gibt es punktuell einen Praxisbezug auch vor dem Referendariat. Durch zwei- bis dreiwöchige Praktika wie sie die Uni Flensburg ihren StudentInnen vorschreibt ist ein Praxisbezug gewährleistet. Allerdings ist dieser in Qualität und Quantität oberflächlich.
Wenn wir von Praxisbezug sprechen, haben wir andere Vorstellungen. Nur durch längere Schulaufenthalte werden StudentInnen bewerten können, ob der LehrerInnenberuf der Richtige für Sie ist. Das "Assistant Teacher"- Jahr ist aus unserer Sicht der notwendige Praxistest zur richtigen Zeit. Wird ein Solches nicht eingeführt, leiden im Endeffekt die zukünftigen Lehrer- und Schülergenerationen.
Zweitens möchte ich auf die Stufenausbildung eingehen: Wir Grüne wollen einen Schwerpunkt auf pädagogische Konzepte legen. Egal wie vielgliedrig unser Schulsystem sein wird, die Herausforderungen für Lehrkräfte sind immer mehr pädagogischer Art. Auch die Kultusministerkonferenz erkennt dies zunehmend. Deswegen teilt sie doch bei den Kompetenzen für Lehrkräfte schon lange in Sekundarstufe Eins und Sekundarstufe Zwei und eben nicht in mehrgliedrige Schulsysteme.
Über die Hälfte aller Schulartempfehlungen nach der vierten Klasse sind falsch. Dies haben neue Untersuchungen eindrucksvoll ergeben. Wenn Sie schon nicht bereit sind das Schulsystem zu revolutionieren, dann passen Sie doch wenigstens die Lehrerbildung den aktuellen Ergebnissen der Bildungsforschung an. Gerade in der Sekundarstufe Eins macht es keinen Sinn zu trennen. Herausforderungen beispielsweise durch Migrationshintergrund, Identitätsfindung oder Pubertät sind keine schulartbezogenen Probleme. All dies muss mehr berücksichtigt werden.
Die Hochschulen teilen unsere Einschätzung und probieren in ihrem sehr begrenzten Rahmen diese Punkte zu berücksichtigen. Deswegen bekommt unsere neu aufgelegte Lehrerbildungsinitiative Rückendeckung von LehrerInnen und fachbezogenen Wissenschaftlern an den Hochschulen. Nehmen Sie die Steilvorlage auf und fangen sie an zu handeln!