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Zwei kleine Anfragen der Grünen Fraktion ans Bildungsministerium haben sich mit dem Thema Befristung von Lehrkräften befasst ( Drs. 17/1796 und 17/1911). Dazu sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Anke Erdmann:
Schon durch die Antwort auf unsere erste Kleine Anfrage wurde deutlich: 80 Prozent der Lehrkräfte, die nach den Sommerferien eingestellt wurden, bekommen nur befristete Verträge. Das ist neu, denn in den letzten Jahren haben sich befristete und unbefristete Anstellungen die Waage gehalten.
Wir haben nachgefragt: Mehr als tausend der betroffenen LehrerInnen haben nicht zum ersten Mal einen befristeten Vertrag. Mehr als fünfhundert Lehrkräfte haben Kettenverträge – und sind mindestens drei Mal befristet eingestellt worden. Nicht nur für die Lehrkräfte, sondern auch für viele Schulen ist das ein echtes Problem, denn sie bangen von Jahr zu Jahr, wie es weitergehen soll. Gute Schulen und wirkungsvolles Lernen brauchen aber Verlässlichkeit. Wir sehen nicht, dass die Regierung sich darum kümmert.
Wie eng die Situation an den Schulen ist, zeigt auch, wie viele Lehrkräfte ohne praktische Ausbildung direkt nach der Uni eingestellt werden: 320 angehende Lehrkräfte sind das aktuell, der Großteil findet sich an Gymnasien wieder. Absurd ist das ganze deshalb, weil die Lehrkräfte mit erstem Staatsexamen ihre Zeit bis zur praktischen Ausbildung dadurch überbrücken, dass Sie befristet an die Schulen gehen. Hier werden sie eingesetzt, eine fachliche Begleitung - wie während der praktischen Ausbildung - ist aber nicht vorgesehen. Das ist meist eine Notlösung sowohl für die Schulen als auch für die angehenden Lehrkräfte. Die Schulen bekommen einfach keine voll ausgebildeten KollegInnen, auch wenn sie händeringend suchen. Und für die HochschulabsolventInnen ist das oft die einzig sinnvolle Möglichkeit, die bis zu 18 Monate Wartezeit bis zur Praxisausbildung zu überbrücken.
Deutlich wird auch, dass das neue Online-Einstellungsverfahren (pbOn) an den Schulen nicht alle Probleme löst. Die Einführung von pbOn an den Schulen ermöglicht, dass sich Schulleitungen ihre Lehrkräfte selber aussuchen. Das ist im Prinzip ein guter Ansatz. Das Ministerium schreibt von knapp 1.400 Bewerbungen auf unbefristete Stellen, mehr als tausend sind es bei den befristeten Stellen. Wie viele der BewerberInnen tatsächlich zur Verfügung stehen, kann das Ministerium aber nicht beantworten. Im Schulalltag führt das oft dazu, dass die Schulleitungen sich die entsprechenden KandidatInnen heraussuchen, anmailen und reihenweise Absagen bekommen.
Deutlich wird insgesamt, dass die Situation an vielen Schulen auf Kante genäht ist und der Fachkräftemangel an vielen Schulen schon tägliche Realität ist. Wir brauchen eine Personalplanung im Lehrerbereich mit Augenmaß statt massivem Stellenabbau – Lehrkräfte sind viel mehr als nur eine Haushaltszahl.