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In den letzten Jahren wird vermehrt über die Bedeutung der Landwirtschaft und insbesondere der Tierhaltung für den Klimawandel diskutiert. Dabei sind auch Rinder als Quelle klimaschädlicher Methanemissionen in das Blickfeld geraten.
Die Kuh steht dabei allerings zu Unrecht am Pranger. Dieser Meinung ist jedenfalls Anita Idel, Tierärztin und Buchautorin („Die Kuh ist kein Klima-Killer“).
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Anita Edel, Autorin des Buches "Die Kuh ist kein Klimakiller" |
Auf Einladung der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen des Schleswig-Holsteinischen Landtages stellte sie in drei Veranstaltungen ihre Thesen einem interessierten Publikum vor: auf der NORLA (Landwirtschaftsmesse) in Rendsburg, im Kieler Landeshaus sowie in der Eider-Treene-Sorge-Region in Meggerdorf.
Frau Idel machte dabei deutlich: eine Kuh ist nicht vergleichbar mit einem PKW. Allein den Ausstoß an Klimagasen zu messen, wird der Sache nicht gerecht. Die Klimabilanz einer Kuh muss vielmehr im Kontext der Grünlandnutzung beurteilt werden.
Weltweit sind mehr als 40 Prozent der Landfläche Grasland. Das sind nicht nur Grünlandflächen, wie wir sie in Schleswig-Holstein kennen, sondern auch Steppen, Prärien und andere natürliche Grasland-Ökosysteme. Entstanden sind diese Ökosysteme in Jahrtausendelanger Koevolution mit Rindern und anderen Wiederkäuern, die aufgrund ihrer Bakterien im Pansen in der Lage sind, diese Vegetation zu nutzen. Die Kuh und das Grünland sind daher ein geniales Team!
Diese Grasland-Ökosysteme stellen einen sehr bedeutenden Kohlenstoffspeicher dar, vergleichbar mit Wäldern. Im Humus des Bodens und in der Wurzelmasse sind große Mengen an Kohelnstoff festgelegt. Eine Tonne Humus (organische Substanz) im Boden entspricht 1,8 Tonnen Kohelndioxid. Je länger das Grasland besteht, desto mehr Kohlenstoff aus der Athmosphäre wird gebunden. Darum sind alte Dauergrünlandflächen besonders wertvoll für den Klimaschutz.
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Das Grünland zu erhalten ist ein wichtiges Anliegen, |
Das gilt auch für unser Dauergrünland in Schleswig-Holstein. Bei uns ist noch etwa ein Drittel der Landwirtschaftsfläche Dauergrünland. Diese Flächen leisten nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sie bereichern auch das Landschaftsbild und sind wertvoll für Gewässer- und Artenschutz. Sie bieten eine natürliche Futtergrundlage für Kühe und Schafe. Die Weidehaltung stellt eine sehr tiergerechte Haltungsform dar.
Ein weiterer interessanter und für einige ZuhörerInnen auch überraschender Aspekt im Vortrag von Frau Idel: Nachhaltige Weidewirtschaft hat auch positive Auswirkungen auf die Welternährung. Werden Kühe immer seltener auf die Weide geschickt und stattdessen mit energie- und eiweißreichem Kraftfutter gefüttert, führt dies andernorts zu risikoreichen Mais- und Sojamonokulturen. Um die Nachfrage für die Intensivtierhaltung hier zu Lande zu befriedigen, werden Regenwälder zerstört, die lokale Bevölkerung verdrängt und ihrer Lebensgrundlage beraubt. So werden außerhalb Europas bereits auf 2,4 Millionen Hektar Soja angebaut nur um deutsche Tiere zu versorgen. Fast 80 Prozent des in der EU benötigten Eiweißfutters werden importiert, dafür werden 20 Millionen Hektar außerhalb der EU in Anspruch genommen.
Schleswig-Holsein ist in Deutschland Spitzenreiter beim Umbruch von Dauergrünland. Das Überangebot von Milch drückt auf die Preise, dies zwingt die Landwirte zur Intensivierung der Milchproduktion, reine Weidewirtschaft ist unter diesen Bedingungen kaum noch konkurrenzfähig. Hinzu kommt, dass der lukrative Energiepflanzenanbau vielerorts die Grünlandnutzung verdrängt.
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Anita Edel im Gespräch |
Fazit: Wenn wir Dauergrünland erhalten wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen ändern. Erhalt und Nutzung von Dauergrünland sollten als gesellschaftliche Leistungen stärker honoriert werden. Chancen hierzu werden in der Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik gesehen, wenn beispielsweise die Direktzahlungen stärker an Umwelt- und Tierhaltungskriterien gebunden werden.
Milchbauern müssen faire Preise für ihre Produkte bekommen, die die Kosten einer ökologisch wünschenswerten und tiergerechten Weidehaltung decken. Leider fehlt es bislang an einer starken Lobby für das Grünland. Dringend erforderlich ist auch die vermehrte Forschung für eine nachhaltige Grünlandnutzung, ein Bereich der zur Zeit an den meisten Agrarfakultäten noch sehr vernachlässigt wird..